Fassade im Theater Freiburg: Stadtraum-Theater macht Erinnerung sichtbar


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Wenn Freiburg seine Fassade öffnet, wird Stadtgeschichte zur Bühne
Mit Fassade zeigt das Theater Freiburg eine performative Begehung des Stadtraums, die Erinnerungsarbeit, Schauspielkunst und urbane Wahrnehmung zu einem eindringlichen Bühnenerlebnis verbindet. Gemeinsam mit dem Dokumentationszentrum Nationalsozialismus rückt die Inszenierung verborgene Geschichten, ausgelöschte Bilder und verdrängte Leben ins Licht.
Ein Stadtrundgang als theatrale Enthüllung
Die Route führt vom Theater Freiburg über den Platz der Alten Synagoge zum Dokumentationszentrum Nationalsozialismus und endet im Colombipark. Diese Wegführung verleiht der Aufführung eine besondere Dramaturgie: Der Stadtraum selbst wird zum Bühnenbild, die Bewegung des Publikums zum Teil der Inszenierung. Schotter, Wiese und Asphalt ersetzen den klassischen Zuschauerraum und schaffen eine unmittelbare Theateratmosphäre unter freiem Himmel.
Starke Bilder, präzise Regie, klare Haltung
Regisseurin Caroline Anne Kapp entwickelt mit dem Ensemble und den methusalems eine Form zwischen Audiowalk, Performance und Installation. Im Zentrum steht ein Wandbild aus den Jahren 1936 bis 1939, das eine scheinbar harmlose Badeidylle zeigt und doch tief im Denken des Nationalsozialismus verankert ist. Gerade dieser Kontrast verleiht dem Abend seine Spannung: Die Inszenierung legt offen, wie Ideologie in Bilder eingeschrieben wird und bis in die Gegenwart nachwirkt.
Erinnerung wird körperlich erfahrbar
Fassade arbeitet nicht nur mit Sprache, sondern mit Wegstrecken, Pausen, Blickachsen und der Akustik des öffentlichen Raums. Das Headset lenkt die Wahrnehmung, während der Stadtraum seine eigene Präsenz entfaltet. So entsteht eine Form von Theater, die nicht distanziert beobachtet, sondern körperlich beteiligt. Die Publikumsreaktion dürfte zwischen stiller Konzentration und betroffenem Nachdenken pendeln.
Ein Abend mit historischer Wucht
Die Produktion ist ab 14 Jahren empfohlen und eignet sich auch für Schulklassen ab Klassenstufe 9. Sensible Inhalte wie Rassismus, Antisemitismus, Gewalt, Sexismus und Nationalsozialismus werden ausdrücklich benannt. Gerade deshalb entwickelt der Abend eine besondere Autorität: Er verbindet künstlerische Präzision mit historischer Verantwortung und macht sichtbar, was lange hinter einer Wand verborgen blieb.
Fazit: Wer Fassade live erlebt, begegnet keinem konventionellen Theaterabend, sondern einer eindringlichen Stadtraumbegehung mit politischer Tiefe und sinnlicher Präsenz. Ein Besuch lohnt sich für alle, die Theater als Denkraum, Erinnerungskunst und Gegenwartsbefragung erleben wollen.
Offizielle Kanäle von Theater Freiburg:
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- Website: https://theater.freiburg.de






