Fassade im Theater Freiburg: Freiburgs Geschichte wird im Stadtraum sichtbar


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Eine Stadtraum-Inszenierung, die Freiburgs verborgene Bilder freilegt
Mit Fassade öffnet das Theater Freiburg gemeinsam mit dem Dokumentationszentrum Nationalsozialismus einen Raum für Erinnerung, Bewegung und genaue Wahrnehmung. Die performative Begehung des Stadtraums führt vom Theater Freiburg über den Platz der Alten Synagoge bis zum Dokumentationszentrum Nationalsozialismus und weiter in den Colombipark. Was hier entsteht, ist kein klassischer Theaterabend, sondern ein intensives Bühnenerlebnis unter freiem Himmel.
Zwischen Wandbild und Wirklichkeit
Ausgangspunkt der Inszenierung ist ein Wandgemälde aus den Jahren 1936 bis 1939, eine deutsche Bade-Idylle in pastelligen Farben, die ein völkisches Körperbild verherrlichte und andere Leben ausblendete. Erst 2023 wurde die Malerei bei Renovierungsarbeiten wiederentdeckt. Fassade bringt diese Spur der Stadtgeschichte aus dem Verborgenen ins Sichtbare und verknüpft Gegenwart mit historischer Verantwortung.
Regie, Dramaturgie und szenische Bewegung
Regisseurin Caroline Anne Kapp entwickelt mit Ensemblemitgliedern und den methusalems, dem Senior*innen-Theater, eine mobile Inszenierung, die Erinnerung nicht erklärt, sondern erfahrbar macht. Die Dramaturgie setzt auf Weg, Blick und Ortswechsel. Bühne, Kostüm, Sound und Choreografie greifen ineinander, sodass sich die Theateratmosphäre nicht im Saal, sondern im Stadtraum entfaltet. Das Publikum folgt den Stationen wie einer lebendigen Untersuchung, die mit jedem Schritt neue Perspektiven öffnet.
Ein Theatergang mit Haltung
Das Theater Freiburg empfiehlt die Aufführung ab 14 Jahren und für Schulklassen ab Klassenstufe 9. Der Weg ist barrierearm, führt über Schotter, Wiese und Asphalt und verzichtet auf feste Bestuhlung. Ein Headset wird gegen Pfand ausgegeben. Wettergerechte Kleidung, feste Schuhe, Sonnenschutz und ausreichend Wasser gehören deshalb zum Besuch dazu. Genau diese Bedingungen machen den Abend unmittelbar: Das Publikum wird nicht nur Zuschauer, sondern Teil einer gemeinsamen Bewegung durch die Stadt.
Erinnerung als Gegenwartserlebnis
Fassade richtet den Blick hinter Freiburgs Oberfläche und macht sichtbar, wie eng Stadtraum, Geschichte und Verantwortung verbunden sind. Die Inszenierung trifft den Nerv einer Gegenwart, in der Erinnerungskultur nicht im Museum verharrt, sondern öffentliche Orte prägt. Die bereits im Theater Freiburg genannte Kritikstimme der taz spricht von einer ergreifenden, noch lange nachwirkenden Inszenierung.
Fazit: Wer Fassade erlebt, sieht Freiburg anders: aufmerksamer, sensibler, historisch wacher. Diese Stadtraum-Inszenierung verbindet Theaterkunst mit Erinnerungspolitik und schafft ein prägnantes Live-Erlebnis, das nachhallt. Wer sich auf diesen Weg einlässt, entdeckt nicht nur eine Aufführung, sondern eine Stadt im Spiegel ihrer Geschichte.
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