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Sauberkeitsoffensive und Begrünung in Freiburg

Freiburger Hauptbahnhof wird zum Vorzeige-Ort: Reinigungsroboter und Begrünung sollen Sauberkeit sichtbar machen

Am Freiburger Hauptbahnhof läuft derzeit ein Frühjahrsputz, der nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) deutlich über die tägliche Standardreinigung hinausgeht. Das Programm setzt auf mehr Personal, zusätzliche Reinigungsintervalle und technische Unterstützung – und soll zugleich zeigen, wie die Bahn ihre Sauberkeits- und Sicherheitsinitiative an stark frequentierten Stationen praktisch umsetzt.

Frühjahrsputz am Freiburger Hauptbahnhof

Im Einsatz sind am Standort nach DB-Angaben mehr als 40 Kräfte. Gereinigt werden Bahnsteige, Treppen und Unterführungen ebenso wie Aufzüge, Glasflächen, Automaten, Mobiliar und Vitrinen. Zum Paket gehören außerdem das Entfernen von Graffiti und festgetretenem Kaugummi – Arbeiten, die im laufenden Betrieb besonders zeitintensiv sind. Auch die Geschäfte und Gastronomiebetriebe in der Bahnhofshalle beteiligen sich an der Aktion.

50 Millionen Euro zusätzlich – Freiburg als Baustein eines größeren Programms

Über den Einzelfall Freiburg hinaus ist der Frühjahrsputz Teil eines größeren Finanz- und Organisationsrahmens: Die Deutsche Bahn will 2026 rund 50 Millionen Euro zusätzlich in Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen investieren. Aus diesem Budget wird nach DB-Angaben auch ein Großputz an insgesamt 200 Bahnhöfen in Baden-Württemberg finanziert. Freiburg steht damit stellvertretend für eine Strategie, die nicht nur auf punktuelle Aktionen setzt, sondern sichtbare Verbesserungen in der Fläche erreichen soll – an Orten, die für viele Reisende den ersten Eindruck einer Stadt prägen.

Reinigungsroboter als Entlastung: Automatisierung nur für einen Teil der Arbeit

Parallel zum Frühjahrsputz hat die Bahn in Freiburg einen Reinigungsroboter vorgestellt, der die Böden in der Bahnhofshalle und in den Unterführungen autonom säubern soll. Sensoren sollen dabei helfen, Gegenstände und Personen zu erkennen und rechtzeitig auszuweichen; vorgesehen ist ein Einsatz sowohl tagsüber als auch nachts.

Bahnhofsmanager Rolf Band ordnet den Roboter als Ergänzung ein, nicht als Ersatz. Der praktische Nutzen liege aus Sicht der Bahn darin, Routinetätigkeiten zu übernehmen, damit Beschäftigte Zeit für Aufgaben gewinnen, die sich nicht automatisieren lassen – etwa das Reinigen von Ecken, Kanten und schwer zugänglichen Bereichen. Gerade diese Einschränkung macht deutlich, worum es der Bahn in Freiburg erkennbar geht: nicht um eine „vollautomatische“ Bahnhofshalle, sondern um eine Arbeitsteilung, bei der Technik die Fläche abdeckt und Menschen die Detailarbeit, Kontrolle und Sonderfälle übernehmen.

Mehr als Putzen: Palmen, Geranien und ein aufgewerteter Westausgang

Die Freiburger Maßnahmen zielen sichtbar auch auf Aufenthaltsqualität. Der Bahnhof soll nicht nur sauberer, sondern auch grüner werden: Kübel mit Palmen und Olivenbäumen sind bereits aufgestellt, an Treppen zu den Unterführungen hängen Blumenkästen mit Geranien. Zusätzlich wird der Westausgang neu gestaltet und bepflanzt.

Band begründet den Ansatz mit dem Ziel, „das Miteinander im Sozialraum Bahnhof“ zu stärken. In der Praxis heißt das: Der Bahnhof ist nicht nur Verkehrsknoten, sondern ein öffentlicher Ort, an dem Pendler, Reisende, Beschäftigte, Menschen mit Unterstützungsbedarf und Sicherheitsdienste auf engem Raum zusammentreffen. Aufwertung und Pflege sind deshalb mehr als Kosmetik – sie sollen dazu beitragen, Konflikte zu reduzieren, Orientierung zu erleichtern und die Schwelle für Vandalismus zu senken, weil ein gepflegtes Umfeld erfahrungsgemäß weniger als „rechtsfreier Raum“ wahrgenommen wird.

Umgesetzt wird die Pflanzaktion von der Freiburger Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft (FQB). Die Organisation ist in Freiburg kommunal verankert und arbeitet an Qualifizierung und Beschäftigung; sie soll sich nach DB-Angaben auch langfristig um die Pflege der Pflanzen kümmern. Damit verbindet die Bahn die optische Aufwertung des Bahnhofs mit einem lokalen Beschäftigungsansatz – ein Detail, das das Projekt stärker in der Stadt verankert, als es reine Dienstleister-Lösungen häufig leisten.

Koordination mit der Stadt – und ein Blick auf Ordnungsthemen im Umfeld

Beim Frühjahrsputz stimmt sich das Bahnhofsmanagement zudem mit der Stadt Freiburg ab. Die Kommune ist für angrenzende Flächen wie den Busbahnhof, die Stadtbahnbrücke und Gehwege Richtung Innenstadt zuständig. Peter Krause von der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg bezeichnet den Bahnhof als „Haupteinfallstor in die Stadt“ – und bringt damit auf den Punkt, warum sich Investitionen in Sauberkeit und Erscheinungsbild für beide Seiten lohnen: Der Zustand rund um das Gebäude entscheidet mit darüber, wie Besucher Freiburg wahrnehmen.

Zum Aufgabenfeld des Bahnhofsmanagements zählt außerdem die Kontrolle des Fahrradparkplatzes hinter Gleis 8. Verlassene Fahrräder werden markiert; werden sie nach drei Monaten nicht abgeholt und sind nicht als gestohlen gemeldet, kann die Bahn sie versteigern. Die nächste Versteigerung ist für Samstag, 9. Mai, angekündigt.

In der Summe zeigt Freiburg, wie die Bahn ihre zusätzliche Finanzierung für Sauberkeit und Sicherheit in konkrete Maßnahmen übersetzt: mehr Personal im Großputz, technische Entlastung durch einen Roboter, sichtbare Begrünung und enge Abstimmung mit städtischen Stellen. Das Beispiel macht zugleich die Grenzen der Automatisierung deutlich – und warum die Qualität am Bahnhof am Ende nicht nur von Maschinen, sondern von verlässlichen Abläufen, Präsenz und Zusammenarbeit vor Ort abhängt.

Häufig gestellte Fragen

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