Europa-Hoffnung hängt auch an Freiburg
Eintracht hofft auf Freiburg: Wie Frankfurt doch noch Europa erreichen kann
Eintracht Frankfurt geht als Tabellenachter in die entscheidende Phase der Saison – und hat die internationale Qualifikation nicht mehr ausschließlich in der eigenen Hand. Das 1:2 gegen den Hamburger SV hat die Lage zusätzlich verschärft: Weil der SC Freiburg am Sonntagabend mit einem 1:1 gegen den VfL Wolfsburg an der Eintracht vorbeizog, ist Frankfurt vorerst aus den Rängen herausgerutscht, die nach derzeitigem Stand für einen Europapokalplatz reichen.
Damit rückt für die Hessen neben den eigenen Ergebnissen plötzlich auch ein anderes Thema in den Fokus: der Ausgang des Europa-League-Halbfinals mit Freiburger Beteiligung – und die Frage, wie viele Startplätze die Bundesliga über die UEFA-Fünfjahreswertung am Ende tatsächlich erhält.
Warum Freiburgs Europa-League-Lauf für Frankfurt eine Rolle spielen kann
Nach dem Ausscheiden des FC Bayern aus der Champions League richtet sich in Frankfurt ein Teil der Hoffnung auf den SC Freiburg. Die Breisgauer müssen am Donnerstagabend im Europa-League-Halbfinale eine 1:2-Hinspielniederlage gegen Sporting Braga drehen, um ins Finale einzuziehen. Für die Eintracht wäre ein Freiburger Erfolg vor allem deshalb wertvoll, weil jedes Weiterkommen deutscher Klubs im Europapokal den nationalen Koeffizienten verbessert.
In der UEFA-Koeffizientenwertung liegt Spanien derzeit mit 21,781 Punkten vor Deutschland (21,357). Der Abstand ist klein genug, dass sich bei entsprechenden Ergebnissen in den verbleibenden internationalen Spielen noch etwas bewegen kann. Sollte Deutschland Spanien tatsächlich noch überholen, würde die Bundesliga für die kommende Saison einen zusätzlichen – fünften – Champions-League-Platz erhalten. In diesem Szenario würde sich auch die Gesamtzahl der Europapokal-Tickets erhöhen: Dann stünden der Liga insgesamt acht internationale Startplätze zu, und selbst Platz acht könnte noch für die Conference League genügen.
Für Frankfurt ist diese Rechnerei deshalb so relevant, weil die Mannschaft aktuell Achter ist. Ohne eine Verschiebung zugunsten Deutschlands im Verbandsranking müsste die Eintracht sportlich mindestens einen Rang gutmachen, um aus eigener Kraft sicher in Reichweite der internationalen Plätze zu kommen.
Das 1:2 gegen den HSV als Wendepunkt – und Warnsignal
Der Auslöser für die neue Abhängigkeit war die Heimniederlage gegen den Hamburger SV. Frankfurt erwischte eine schwache erste Halbzeit, ging nach der Pause aber durch Can Uzun (48.) dennoch in Führung. Die Antwort der Gäste folgte prompt: Albert Grönbaek glich drei Minuten später aus (51.), Fabio Vieira traf in der 59. Minute zum 2:1. In der Nachspielzeit sah Rasmus Kristensen Gelb-Rot – ein weiterer Rückschlag in einem Spiel, das für Frankfurt doppelt schmerzhaft war: wegen der Punkte und wegen der Wirkung auf die Tabelle.
Uzun ordnete die Situation nach Abpfiff entsprechend ein: „Jetzt liegt es nicht mehr in unserer Hand. Wir müssen uns alle an die eigene Nase packen.“
Sportvorstand Markus Krösche wurde nach dem Spiel ebenfalls deutlich. „Wer in dieser Phase solche Fehler mache, habe ‚mit dem Kampf um Europa nichts zu tun‘“, sagte er – und monierte vor allem die fehlende Energie.
Dortmund als nächste Hürde – und ein Spiel unter besonderer Beobachtung
Am Freitagabend (20.30 Uhr) steht für die Eintracht das Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund an. Der sportliche Druck ist hoch, denn Frankfurt braucht Punkte – unabhängig davon, ob das Koeffizientenrennen noch kippt. BVB-Trainer Niko Kovač, der Eintracht Frankfurt von 2016 bis 2018 trainierte, rechnet mit einer Partie, in der es für die Gäste „um sehr viel“ gehe, und bezeichnete die Eintracht zugleich als „weiterhin einen großen Club“.
Krösche setzt auf Stabilität – trotz Trainerdiskussion
Parallel zur sportlichen Krise wird in Frankfurt über die Zukunft von Trainer Albert Riera diskutiert. Krösche hält sich öffentlich von Personaldebatten fern und betonte nach dem HSV-Spiel: „Der Trainer ist heute kein Thema.“ Zugleich macht der Sportvorstand deutlich, dass er seinen eigenen Weg bei der Eintracht fortsetzen will. Bei der Digitalmesse OMR in Hamburg sagte Krösche auf der Bühne der Bild, er spüre im Verein „volle Rückendeckung“. Auch vertraglich ist die Position klar umrissen: Krösche steht in Frankfurt bis 2028 unter Vertrag.
Inhaltlich spricht Krösche dennoch von einer enttäuschenden Saison – weniger wegen einer einzelnen Tabellenposition als wegen der Art und Weise, wie die Mannschaft auftritt. „Ein siebter oder achter Platz könne zwar grundsätzlich vorkommen, doch ‚so ist es nicht das, was wir wollen‘“, sagte er mit Blick auf die Entwicklung der Mannschaft.
Was für Frankfurt jetzt zählt
Frankfurt hat sich mit dem HSV-Rückschlag selbst in die Lage gebracht, rechnen zu müssen: Punkte in den verbleibenden Spielen sind Pflicht – und gleichzeitig lebt die Hoffnung, dass der europäische Verlauf (mit Freiburg als Schlüsselteam) Deutschlands Position im UEFA-Ranking noch verbessert. Für die Eintracht bedeutet das: Sie muss ihren Teil liefern, um überhaupt in Schlagdistanz zu bleiben. Ob Platz acht am Ende tatsächlich reichen kann, entscheidet sich dann nicht nur im Deutsche Bank Park, sondern auch auf Europas Bühne – und in der Koeffizienten-Tabelle der UEFA.

