Harald Kimmig

Quelle: Wikipedia

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Harald Kimmig – Der Klangforscher an der Violine zwischen Improvisation, Performance und Komposition
Ein deutscher Ausnahmemusiker, der das Unbekannte zum künstlerischen Prinzip macht
Harald Kimmig, geboren am 9. Oktober 1956 in Offenburg, gehört zu den markantesten Stimmen der freien Improvisationsmusik in Deutschland. Als Violinist, Komponist und Performer verbindet er instrumentale Virtuosität mit einem offenen, experimentellen Zugriff auf Klang, Raum und Bewegung. Sein künstlerisches Profil entsteht aus einer seltenen Mischung aus musikalischer Radikalität, interdisziplinärem Denken und konsequenter Eigenständigkeit. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Kimmig))
Schon früh stand die Geige im Mittelpunkt: Von 1966 bis 1974 erhielt Kimmig Geigenunterricht, später studierte er von 1975 bis 1982 Philosophie, Soziologie und Kunstgeschichte. Diese akademische Breite prägt bis heute seine Musikkarriere, weil sie seine Improvisationspraxis mit ästhetischer Reflexion und kulturgeschichtlicher Tiefe auflädt. Ab 1984 arbeitete er als professioneller Musiker und entwickelte einen unverwechselbaren Stil zwischen Klangforschung, Ensembleinteraktion und performativer Präsenz. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Kimmig))
Biografie und künstlerische Prägung
Kimmigs Weg zur freien Improvisation verlief nicht als klassischer Jazzpfad, sondern über ein bewusst erweitertes Verständnis von Musik. Unterricht bei Leszek Zadlo, Muneer Abdul Fataah, John Tchicai und Cecil Taylor öffnete ihn für unterschiedliche ästhetische Zugänge, die von improvisatorischer Freiheit bis zu kompositorischer Strenge reichen. Besonders der Einfluss von Cecil Taylor verweist auf eine Haltung, in der musikalische Energie, Formbewusstsein und Risiko zusammenspielen. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Kimmig))
Auch sein offizielles Selbstverständnis auf der Website zeigt diese Haltung deutlich: Kimmig beschreibt sich als improvisierender Musiker und Performer, der Klänge und künstlerische Formen in interdisziplinären Wechselwirkungen erforscht. Dabei kombiniert er Geräusche des Instruments mit konventionellem Violinspiel und entwickelte über die Jahre einen eigenen Sound, der ebenso expressiv wie strukturiert wirkt. Gerade diese Verbindung aus Technik, Instinkt und Formwille macht seine künstlerische Entwicklung so überzeugend. ([haraldkimmig.de](https://www.haraldkimmig.de/))
Der Einstieg in die professionelle Improvisationsszene
Seine professionelle Laufbahn begann 1984 mit Solokonzerten und als Mitglied des Ersten Improvisierenden Streichorchesters. Dieser Schritt markierte den Eintritt in eine Szene, in der spontane Komposition, kollektive Reaktion und klangliche Erweiterung im Zentrum stehen. Kimmig positionierte die Violine dabei nicht als traditionsgebundenes Saloninstrument, sondern als elastisches Medium für expressive Klangsprache. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Kimmig))
Früh zeigte sich seine Offenheit für dialogische Besetzungen. Das Trio mit Georg Wolf und Lukas Lindenmaier, dokumentiert auf der CD rif-rif von 1990, steht exemplarisch für seine Arbeit in konzentrierten, kammermusikalisch scharfen Improvisationsformaten. Gleichzeitig wurde er Co-Leader des F-Orkestra, das mit Musikerpersönlichkeiten wie Buddy Collette und Peter Kowald arbeitete und damit die Brücke zwischen europäischer Improvisation und internationaler Avantgarde schlug. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Kimmig))
Internationale Kollaborationen und die Reife des Stils
Kimmigs Diskographie und Projektgeschichte lesen sich wie eine Kartografie der freien Musik. Er spielte im Ensemble von Cecil Taylor auf den CDs Legba Crossing und Corona, wirkte in Projekten von John Tchicai und Wladimir Tschekassin mit und arbeitete mit Doug Hammond, Lee Konitz, Tony Oxley, Gabriele Hasler, Sirone und Jürgen Wuchner zusammen. Diese Kollaborationen dokumentieren nicht nur Reichweite, sondern auch stilistische Flexibilität und ästhetische Souveränität. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Kimmig))
Auch in jüngeren Konstellationen bleibt diese Offenheit zentral. Kimmig arbeitet im Trio mit Carl Ludwig Hübsch und Lê Quan Ninh, ist Mitglied der Ensembles von Angelika Sheridan, Géraldine Keller und Hideto Heshiki und tritt aktuell außerdem solistisch sowie in Trio-, Duo- und Performance-Formaten auf. Seine künstlerische Gegenwart speist sich damit aus einem weit verzweigten Netzwerk zwischen Improvisation, Tanz, Elektronik und Komposition. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Kimmig))
Komposition, Oratorium und größere Formen
Harald Kimmig ist nicht allein Improvisator, sondern auch Komponist mit ausgeprägtem Formbewusstsein. Gemeinsam mit Norbert Rodenkirchen komponierte er 2004 die Aura Christinae, die mehrfach in Stommeln aufgeführt wurde und das Spannungsfeld zwischen Alte-Musik-Resonanz, zeitgenössischer Tonsprache und performativer Aufführung erschließt. Solche Werke zeigen, dass Kimmig die Improvisation nicht gegen Komposition ausspielt, sondern beide Ebenen produktiv miteinander verknüpft. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Kimmig))
Hinzu kommen Streichquartette, größere Orchesterwerke und das Oratorium Der Lauf des Lichtes und der Dunkelheit von 1999 sowie Filmmusiken. Damit erweitert Kimmig sein Spektrum deutlich über das spontane Ensemble-Spiel hinaus und positioniert sich als Komponist, der klangliche Dramaturgie, Raumwirkung und narrative Entwicklung ernst nimmt. Seine Arbeit zeigt die seltene Verbindung von improvisatorischer Freiheit und kompositorischer Disziplin. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Kimmig))
Aktuelle Projekte und Veröffentlichungen
Zu Kimmigs aktuellen Formationen zählen das Violin-Solo, das Trio Kimmig-Studer-Zimmerlin, das Trio KHW mit Sascha Henkel und Christian Weber sowie Duos mit eriKm, Sascha Henkel, Lilo Stahl, Emilio Guim und Ephraim Wegner. Auf der offiziellen Website wird damit ein Arbeitsfeld sichtbar, das sich beständig zwischen akustischer Verdichtung, Elektrifizierung und intermedialer Performance bewegt. Die Musik bleibt offen, forschend und gegenwärtig. ([haraldkimmig.de](https://www.haraldkimmig.de/))
Besonders hervorzuheben ist das 2024 veröffentlichte Album Black Forest Diary von Kimmig-Studer-Zimmerlin Electric Trio. Die Fachpresse beschrieb die Aufnahme als elektrisch erweitertes Improvisationsprojekt und betonte die Spannung zwischen dem gewachsenen Trio-Sound und der neuen klanglichen Zuspitzung. Das Album steht damit für eine späte, aber keineswegs altersmilde Intensivierung seiner Sprache: elektrisch, detailreich, rau und präzise. ([haraldkimmig.de](https://www.haraldkimmig.de/publikationen/))
Diskographie und kritische Rezeption
Die Auswahl auf Kimmigs offizieller Publikationsseite dokumentiert eine schlüssige, anspruchsvolle Diskographie. Genannt werden unter anderem Harald Kimmig Violin Solo: Im Freien (1998), Cecil Taylors Looking Corona (1991), erzählend nah (2012), RAW mit Kimmig-Studer-Zimmerlin feat. John Butcher (2016), Im Hellen (2017), Harald Kimmig Violin Solo: One body One bow One string (2018), Zweige (2018), Kimmig-Studer-Zimmerlin and George Lewis (2019) und Black Forest Diary (2024). Diese Auswahl zeigt eine konsequente Entwicklung innerhalb der freien und erweiterten Improvisationsmusik. ([haraldkimmig.de](https://www.haraldkimmig.de/publikationen/))
Die Rezeption ordnet Kimmig wiederholt als tief verankerten Musiker der experimentellen Szene ein. Kritiker heben seine Fähigkeit hervor, akustische und elektronische Mittel in Spannung zu setzen, ohne den Fokus auf musikalische Kommunikation zu verlieren. Seine Beteiligung an Projekten mit George Lewis und die langjährige Arbeit im Trio Kimmig-Studer-Zimmerlin unterstreichen seinen Rang als Spezialist für dichte, formbewusste Improvisation mit hoher klanglicher Eigenständigkeit. ([jazzjournal.co.uk](https://jazzjournal.co.uk/2024/07/30/kimmig-studer-zimmerlin-black-forest-diary/?utm_source=openai))
Stil, Bühnenpräsenz und kultureller Einfluss
Kimmigs Stil lebt von der Balance aus Geräusch, Ton und Bewegung. Auf der Website wird beschrieben, wie er auf virtuose Weise instrumentale Geräusche mit konventionellem Violinspiel kombiniert und seine Performances zusätzlich mit Tanz und Bewegungsabläufen verknüpft. So entsteht eine Bühnenpräsenz, die nicht nur musikalisch, sondern auch körperlich und visuell wirkt und die improvisierte Musik in den Raum einer Gesamtkunstform rückt. ([haraldkimmig.de](https://www.haraldkimmig.de/))
Auch kulturgeschichtlich ist diese Arbeit bedeutsam. Kimmig untersucht in seinen multimedialen Formaten die Wechselwirkungen der Künste sowie ihren Einfluss auf das menschliche Selbst und auf Begegnungen mit dem Fremden und dem Vertrauten. Das macht ihn zu einem Künstler, dessen Relevanz weit über eine enge Genrezuschreibung hinausgeht: Er steht für eine Musik, die Denken, Hören, Bewegung und soziale Wahrnehmung miteinander verschaltet. ([haraldkimmig.de](https://www.haraldkimmig.de/))
Auszeichnung und Anerkennung
Zu den offiziellen Würdigungen zählt der Tanz- und Theaterpreis des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart von 2019 für die Performance Interface. Diese Auszeichnung bestätigt Kimmigs Position nicht nur als Musiker, sondern auch als interdisziplinärer Performance-Künstler, dessen Arbeiten in Tanz- und Theaterkontexte hineinreichen. Der Preis markiert einen Punkt, an dem seine experimentelle Praxis institutionelle Anerkennung erfährt, ohne ihre Eigenwilligkeit zu verlieren. ([haraldkimmig.de](https://www.haraldkimmig.de/))
Fazit: Ein Künstler für offene Ohren und wache Sinne
Harald Kimmig ist ein Musiker, der die Violine aus dem Schatten der Tradition herausführt und sie in ein Labor für Improvisation, Komposition und Performance verwandelt. Seine Karriere verbindet die internationale freie Szene mit einer tiefen persönlichen Handschrift, die in Ensemblearbeit ebenso überzeugt wie im Soloformat. Wer Musik als lebendige, riskante und intellektuell wache Kunst erlebt, findet in Kimmig einen der spannendsten deutschen Vertreter dieses Feldes. ([haraldkimmig.de](https://www.haraldkimmig.de/))
Gerade live entfaltet sich diese Energie am stärksten: in der unmittelbaren Reaktion, im physischen Zugriff auf den Klang und in der Offenheit für das Unvorhersehbare. Harald Kimmig bleibt ein Künstler, den man nicht nur hören, sondern erleben sollte. Seine Bühnenarbeit zeigt, wie intensiv freie Improvisationsmusik im Hier und Jetzt wirken kann. ([haraldkimmig.de](https://www.haraldkimmig.de/))
Offizielle Kanäle von Harald Kimmig:
- Instagram: Kein offizielles Profil gefunden
- Facebook: Kein offizielles Profil gefunden
- YouTube: Kein offizielles Profil gefunden
- Spotify: Kein offizielles Profil gefunden
- TikTok: Kein offizielles Profil gefunden
Quellen:
- Harald Kimmig - Offizielle Website
- Harald Kimmig - Publikationen
- Harald Kimmig - Music / Projects
- Wikipedia - Harald Kimmig
- Jazz Journal - Kimmig, Studer, Zimmerlin: Black Forest Diary
- The Free Jazz Collective - Black Forest Diary
- Vital Weekly - KSZ Electric Trio - Black Forest Diary
- Jazzword - Kimmig-Studer-Zimmerlin Electric Trio
